Programm

Ludwig van Beethoven
Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 Es-Dur op. 12,1

Maurice Ravel
Sonate für Violine und Klavier G-Dur

Joachim Raff
Duo über Motive aus Richard Wagners Oper “Tannhäuser” op. 63,2

Johannes Brahms
Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 78


Lena Neudauer



Lena Neudauer spielt Musik, die aus einer inneren, tiefen Überzeugung entspringt, mit „einer solchen Wahrhaftigkeit ihres Ausdrucks, einer solchen Reife der Gestaltung sowie mit einem solchen Verständnis für musikalischseelische Dimensionen“. (SVZ) Auf der Bühne fasziniert ihre Natürlichkeit und die Selbstverständlichkeit mit der sie ihre Geige spielt, als ob sie ein Teil ihres Körpers wäre.

Lena Neudauer, 1984 in München geboren, passt in keine Schublade. Obwohl sie schon früh eine außergewöhnliche Begabung zeigte, sah sie sich nie als Wunderkind. Im Alter von drei Jahren begann sie mit dem Geigenspiel und im Alter von sechs Jahren auch mit dem Klavierspiel, konzentrierte sich aber später ausschließlich auf die Geige. Mit 11 Jahren kam Lena Neudauer in die Klasse von Helmut Zehetmair an das Mozarteum Salzburg.

Internationale Aufmerksamkeit errang Lena Neudauer als sie 15-jährig spektakulär den Leopold-Mozart-Wettbewerb in Augsburg nicht nur gewann sondern auch nahezu alle Sonderpreise erhielt.

Bis hier klingt ihr Werdegang ähnlich dem vieler anderer Musiker. Das Außergewöhnliche war jedoch ihre mutige Klarheit, mit der sie sich als Teenager gegen den frühzeitigen Beginn einer Star-Karriere entschieden hat. „Ich wollte nicht mit 15 in Hotels leben und ständig auf der Bühne sein“ sagte sie. Stattdessen ging sie ihrem Geigenunterricht nach – sie studierte bei Christoph Poppen, Helmut und Thomas Zehetmair, spielte viel Kammermusik und Neue Musik, spielte Schlagzeug und Keyboard in einer Rockband, heiratete und erfreute sich über die Geburt ihrer zwei Kindern. Sie nahm sich schlicht Zeit zu reifen.

Ihre Offenheit für die unterschiedlichsten musikalischen Richtungen hat Lena Neudauer immer weiter entwickelt: sei es bei Boulez und seiner Lucerne Festival Academy wo sie zweimal teilnahm oder mit Mozarts Musik, zu der sie eine besondere Affinität hat. Wenn Lena Neudauer Mozart spielt, passiert etwas Magisches, als ob sie entschwebt und nur noch die Musik hinterlässt in deren magischen Bann man hineingesogen wird.

Im Mai 2010 erschien ihre Debüt-CD bei Hänssler Classic gemeinsam mit der Deutschen Radio Philharmonie unter der Leitung von Pablo Gonzalez mit einer Gesamteinspielung der Werke für Violine und Orchester von Robert Schumann. Die Aufnahme gewann den International Classical Music Award (ICMA) für die beste Konzerteinspielung 2011. 2013 folgte eine Kammermusik-CD, ebenfalls bei Hänssler Classic mit Einspielungen der Werke für Violine und Klavier, sowie der Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel. Die Aufnahme entstand gemeinsam mit den beiden herausragenden Musikern Paul Rivinius am Klavier und Julian Steckel am Violoncello.

Lena Neudauer musizierte mit Orchestern wie dem MDR Sinfonieorchester, der Deutschen Radio Philharmonie, dem Saarländischen Staatsorchester, dem Philharmonischen Orchester Mainz, dem Münchener Kammerorchester, den Nürnberger, Brandenburger sowie Münchner Symphonikern, dem Orchestre National de Belgique, dem Orchestra di Padova e del Veneto und dem Tampere Philharmonic Orchestra unter Dirigenten wie Christoph Poppen, Dennis Russell Davies, Mariss Jansons, Hannu Lintu, Bruno Weil, Dirk Kaftan und Pablo Gonzalez.

Festivals bei denen Lena Neudauer mitunter zu Gast war, sind die Mozartwoche Salzburg, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Schleswig-Holstein Musik Festival, Braun- schweig Classix, das Kammermusik Festival Hohenstaufen, Euroclassic Pirmasens, die Thüringer Bachwoche und das Flandern Festival.

Lena Neudauer wurde zum Wintersemester 2010 als Professorin für Violine an die Hochschule für Musik Saar berufen.




Florian Uhlig



Wie findet ein Musiker in einem Klassikbetrieb, der teils zum harten Geschäft geworden ist, den direkten Draht zum Publikum? Diese Frage beschäftigt Florian Uhlig seit Beginn seiner Karriere. Für seine Programme entwirft der 1974 geborene Pianist stimmige Werkkombinationen, die jenseits der einzelnen Komposition selbst eine Geschichte erzählen. Immer wieder kommen dabei auch eigene Werke und Arrangements zur Aufführung. Mit diesem Mut zum kreativen Zugriff bricht er in gewisser Hinsicht mit der großen Vergangenheit deutscher Klavierschule(n), über die der amerikanische Kritiker Harold C. Schoenberg etwas pauschal urteilte, sie seien bei allem gewissenhaften musikalischen Können eher streng als charmant, mehr nüchtern als brillant.

Gegen Charme und Brillanz hat Florian Uhlig aber überhaupt nichts einzuwenden – möglicherweise ist dies dem kosmopolitischen Zug seiner Biografie zuzuschreiben: Bereits seit 1995 lebt der Pianist in London. Er kam zum Studium nach England und irgendwie sagten ihm englischer Pragmatismus und Lebensart so zu, dass er es nicht eilig hatte, die Stadt zu verlassen. In Düsseldorf geboren, ist Uhlig in einer musikliebenden Familie aufgewachsen. Mit 17 Jahren nahm er am Schubert-Wettbewerb teil; in der Jury saß der Klavierpädagoge Peter Feuchtwanger. Da fiel die Entscheidung zum Studium.

Florian Uhlig hatte nie Förderer oder prägende Lehrer, die ihm den entscheidenden Schub gaben. Mit einer gewissen „Sturheit“ sei er stets eigener Initiative gefolgt. Es gab natürlich wichtige Begegnungen, wie mit Peter Feuchtwanger, bei dem er Meisterkurse belegt hat. Und von dem Klangsinn des Pianisten Pascal Devoyon war er so beeindruckt, dass er ihm 1994 in Paris vorspielte. Für das Studium allerdings bewarb er sich in London am Royal College of Music, an der Royal Academy of Music und der Guildhall School: Alle drei Schulen boten ihm ein Stipendium an. Uhlig entschied sich zunächst für den Egon-Petri-Schüler Bernard Roberts am Royal College. 1999 wechselte er an die Royal Academy of Music, wo er seinen Master machte und auch promovierte.

Sein Orchesterdebüt gab Florian Uhlig im Londoner Barbican im Jahr 1997. Seitdem führt ihn eine rege Konzerttätigkeit in die großen Säle von Berlin, New York, London, Paris – oder auch Hongkong, Reykjavik und Kapstadt. Er konzertierte mit Orchestern wie dem BBC Symphony Orchestra, der Deutschen Radio Philharmonie, dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, der Dresdner Philharmonie, dem Beijing Symphony Orchestra oder dem Simon Bolivar Youth Orchester of Venezuela mit Krzysztof Pendereckis Klavierkonzert unter der Leitung des Komponisten. Einladungen zu Festivals führten ihn u.a. zum Beethovenfest Bonn, zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Schwetzinger Festspielen, den Kammermusiktagen Schloss Elmau, den Wiener Festwochen, France Musiques Paris und zum Schleswig-Holstein Musik Festival. Als Solist konzertiert Florian Uhlig mit international renommierten Dirigenten, darunter Kristjan Järvi, Thomas Sanderling, Ariel Zuckermann, Radoslaw Szulc, Eivind Gullberg Jensen oder Christoph Poppen.

Der leicht zu angelnde Erfolg interessiert Florian Uhlig bis heute nicht. Er blickt weiter als andere: Etwa auf die Rückseite des Naheliegenden, indem er auch die Skurrilitäten der großen Komponisten betrachtet – wie Beethovens Variationen über „God save the King“. Oder Uhlig tritt einen Schritt zurück und nimmt die Totale in den Blick – wie jetzt bei seinem auf 15 CDs angelegten Projekt, der Aufnahme von Robert Schumanns sämtlichen Klavierwerken beim Label hänssler Classic. Zwei CDs pro Jahr sind vorgesehen.

Florian Uhlig erzählt mit den thematisch geordneten Einspielungen ein weites Panorama seelischer Empfindungen auf sehr sinnliche Weise. Schumanns musikalische Zerreißproben, die manchmal am Rande des Nachvollziehbaren angesiedelt sind; seine plötzlichen Entfesselungen, unvermittelten Brüche, romantischen Parodien und Träumereien: Der Künstler vollzieht das unter Ausnutzung aller Wirkungsmöglichkeiten des Klaviers nach. Es ist eine enorme innere Energie, die seinen Klavierton so unverwechselbar macht, ihn bis in die komplexesten Passagen hinein hell und konzentriert aufleuchten lässt.

Als ob das neben den Konzertverpflichtungen nicht genug wäre, steckt Florian Uhlig bereits in den Vorbereitungen für ein zweites Aufnahmeprojekt mit sämtlichen Klavierwerken Maurice Ravels. Und dann ist da noch sein Engagement als Künstlerischer Leiter des Johannesburg International Mozart Festivals, das er seit 2008 leitet. Vor dem komplexen historisch-politischen Hintergrund des Landes soll Mozarts Geist als Sinnbild für universelles Denken beschworen werden – mit einem bunten Pool afrikanischer Musiker, Südafrikas Chortradition, Jazz und Klassik. So bekomme Musik eine „unendlich gesellschaftliche Relevanz“, sagt Uhlig. Das klingt bei allem Pathos überzeugend. Denn für Florian Uhlig ist Musik das „eigentliche Leben“. Die „existenzielle Kraft“, die ihn bewegt.