Programm

Ein Bahnhof kann ein alltäglicher Ort für Menschen sein, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeit fahren, doch stellt auch jeder Bahnhof auf dieser Welt eine Aufbruchs- und eine Ankommenssituation dar, beide eine existentielle Grunderfahrung der Menschen und nicht einfach zu bewältigen. In Lena Christs ERINNERUNGEN EINER ÜBERFLÜSSIGEN wird der Mythos „Amerika“ zur Metapher für Rettung, Freiheit und Utopie eines befreiten Lebens, dessen Möglichkeiten sprichwörtlich unbegrenzt sind. Emmerenz Meier aus Schiefweg bei Waldkirchen geht wirklich „ins Amerika“, nach Chicago, im März 1906; dort braut sie ihr Bier selber, auch sie eine Wirtstochter, eine Kollegin der Lena Christ im doppelten Sinne: als Wirtin wie als Autorin. Emmerenz Meier sieht ihre Heimat nie mehr wieder, für Lena Christ ist gerade die Heimat der Untergang.

Elisabeth Carr liest im Bahnhof von Feldafing Texte von Auswanderern in alle Welt: nach Amerika, nach Australien, nach ... Utopia.

Elisabeth Carr

Bild: Andreas Rumland
Als Elisabeth Carr gemeinsam mit Ariane von Hofacker 2005 die KunstRäume am See gründete, um besondere kulturelle Veranstaltungen einem breiteren Publikum anzubieten, setzten die beiden eigentlich nur fort, was sie bereits im Elternhaus und im privaten Rahmen genossen hatten: Die Liebe zur Kunst, die Lust an Begegnungen, der Geschmack an einem zeitgemäß aufgefaßten „Salon“, war der Antrieb für ihre Aktivitäten. Die Kunst begann, sich ihre Räume zu suchen, rund um den See. Die Arbeit der KunstRäume erschließt die Gegend zusammen mit der Kunst, so dass sich der Begriff von „zuhause“ erweitert: im vertrauten Bereich sind zusätzliche, bisher ungenutzte Räume zu entdecken, und das gilt auch für die Räume im eigenen Kopf. Was zuerst ein tief persönliches Anliegen war, drängte danach, auf ein festes Fundament gestellt zu werden. Fast wie von selbst ergab sich der Weg zu einer professionellen Kulturarbeit, die alle Sparten der Kunst umfasst und ebenso in eigener Initiative wie im Auftrag vorgeht. Seit 2008 leitet Elisabeth Carr das Kulturatelier der KunstRäume allein. Hier gestalten sich schöpferische Prozesse im Dialog von Beratung und Vermittlung einerseits und den Kulturschaffenden andererseits. Neben freien Einzelveranstaltungen rund um den Starnberger See und dem Landkreis, sowie in München, wurden u.a. folgende kulturelle Veranstaltungreihen initiiert, konzeptioniert und organisiert – ca. 150 unikate Veranstaltungen in ca. 100 entsprechend passenden KunstRäumen.

Dabei ist sie immer auch selbst Gestalterin, die mit feinem Gespür den Austausch mit den Künstlern pflegt und eigenen Ideen Raum zu verschaffen versteht. Sie liebt es, eine Atmosphäre herzustellen, die Lust nicht nur auf den Kunstgenuß, sondern auch auf Austausch und Kennenlernen macht. Nach ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogin ergriff Elisabeth Carr als zweiten Beruf den der Gestalttherapeutin in freier Praxis und nun ist sie Kulturmanagerin geworden. In dieser Arbeit, die man im übertragenen Sinn durchaus als „Sozialarbeit“ verstehen kann, fließen ihre vielen Kenntnisse und Lebenserfahrungen zusammen. Fest verwurzelt in Starnberg, ist sie mit dem Australier David Carr verheiratet, mit dem sie sechs Kinder hat. So ist auch ihr persönliches Leben von Vielfalt und weiten Räumen geprägt. Sie richtet den Blick auf die heimatliche Umgebung, deren Fülle und Schönheit sie nutzen will, um den äußeren Reichtum auch innerlich aufzuladen mit dem Bezug zur Welt. Das Wandern der KunstRäume von Ort zu Ort verweist auf den Wandel, dem alles unterworfen ist. Feste Formen sind Illusion. Dieser innersten Überzeugung begegnet Elisabeth Carr mit Neugier und Spannung.
Der Wandel ist die Gestalt: Diese herausfordernde Aussage ist ihr Leitmotiv.