Programm

„Tagebuch einer Fliege“: dies ist der Titel eines Klavierstücks von Bela Bartok, in welchem mit dem ihm eigenen Humor der irrlichternde Flug dieses leicht aufdringlichen Insekts klangmalerisch dargestellt wird. Kurios anschaulich fürs Klavier, umso mehr für zwei Bratschen, die sich dieses Werk zum Programm gemacht haben. In ihrem Tagebuch folgen wir der Fliege auf ihrem Weg durchs Haus, und dieser Weg wird zugleich einer durch die Musikgeschichte. Aber wie eben auch ein Haus keine Museums-Säle bietet, so erklingen hier nicht die großen unsterblichen Meisterwerke, sondern vorwiegend die Miniaturen, die die Komponisten aller Zeiten eher für den Hausgebrauch schrieben: für ihre Kinder, ihre Ehefrauen, ihre Schüler: Musik der Nähe.

Dennoch: jemand wie J.S.Bach, Robert Schumann oder Bela Bartok bleibt sich und seinem Namen treu, auch wenn es nicht um das große Podium geht. Und so entsteht in diesem Programm für zwei Bratschen ein intimes aber umso bunteres musikalisches Farben- und Formenspiel, das sowohl innig als auch lustig-täppisch, humorvoll wie nachdenklich aufscheint. Das Spiel zweier Meister ihres Instruments, Charlotte Walterspiel und Gunter Pretzel entzündet sich an diesen Kostbarkeiten mit Lust, Virtuosität und immer herausgeforderter und herausfordernder Phantasie.

Es werden gespielt:
Zweistimmige Inventionen von Johann Sebastian Bach
aus den Kinderscenen von Robert Schumann, dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach von J.S.Bach und den Duos für zwei Violinen von Bela Bartok
„Tagebuch einer Fliege“, Burlesque und Rumänischer Tanz von Bela Bartok
Duett für zwei Violen von Joseph Haydn
Lamento von Frank Bridge
u.a., (z.T. in Bearbeitungen von Gunter Pretzel)




Gunter Pretzel


Bild: J.Soares
Gunter Pretzel studierte Violine und Viola in Hamburg und Berlin. Er wurde Solobratscher des Münchner Kammerorchesters, seit 1984 ist er Mitglied der Münchner Philharmoniker. Er ist langjähriges Mitglied des Debussy-Trio München, für dessen Besetzung er zahlreiche Werke bearbeitete.
Er ist Initiator und Leiter des Ensembles „bracc!“, einer unkonventionellen Formation mit acht Mitgliedern der Bratschengruppe der Münchner Philharmoniker und Klavier, deren Repertoire ausschließlich aus seinen Arrangements und Kompositionen besteht.
Sein besonderes Interesse gilt der Neuen, vor allem aber auch der freien improvisierten Musik. Mehrere Werke wurden für ihn komponiert, eine enge künstlerische Zusammenarbeit verbindet ihn mit der Komponistin Helga Pogatschar. Mit der Gründung des „Pelaar-Quartetts“ hat er sich in diesem Jahr zum Ziel gesetzt, Neue Musik der Region besonders zu fördern.
Seit 2012 verbindet ihn eine fruchtbare künstlerische Freundschaft mit der Bratschistin Charlotte Walterspiel. Im Januar 2014 leitete er mit ihr gemeinsam ein Symposium zum Thema "Zusammenspiel: Musik ist Kommunikation", veranstaltet von den Münchner Philharmonikern, der LH München und der VHS München. Gäste waren prominente Musiker, Wissenschaftler und Manager. Das nächste Symposium wird der „Intuition“ in der Musik gewidmet sein.
Die Arbeit von Gunter Pretzel ist auf zahlreichen CD-Veröffentlichungen dokumentiert.




Charlotte Walterspiel


Charlotte Walterspiel erhielt ihr Examen an der Musikhochschule Freiburg bei Prof. Koch, um anschließend in Budapest bei György Kurtág ihr Studium zu vervollständigen.
Der Mitbegründung und Mitgliedschaft im Chamber Orchestra of Europe folgte 1989 die Gründung des Pellegrini Quartetts, in dem sie bis 1995 international tätig war. Dort, wie auch bei der Arbeit als Solistin, entstanden viele Ersteinspielungen und Uraufführungen zeitgenössischer Kompositionen von Nono, Huber, Hölzsky u.a.
Gegenwärtig lebt Charlotte Walterspiel, geb. Geselbracht, in München.

Bild und Text:
http://www.brahmsreise.de/die-kunstler/viola/charlotte-walterspiel-viola.htm